„Ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man lässt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung in der Bundesrepublik zu machen.
Der Film lässt vollständig außer Acht, dass es in der ganzen preußischen Geschichte keinen Untertan gegeben hat, der so unfrei gewesen wäre, wie die volkseigenen Menschen unter Stalins Gesinnungspolizei es samt und sonders sind.“
Dieses Zitat zu Wolfgang Staudtes, in der DDR entstandenen, meisterhaften Heinrich Mann-Verfilmung Der Untertan stammt keineswegs aus der „Bild“-Zeitung, sondern war 1951 im ach so linken und kontroversen „Spiegel“ zu lesen. F.- B. Habel greift in seiner lexikalischen Zusammenstellung aller zwischen 1946 und 1993 entstandenen Spielfilme der ostdeutschen DEFA auch immer wieder auf Kritiken aus westdeutschen Presseorganen zurück.
Gleichzeitig belegen die Zitate aus der ostdeutschen Presse, dass dort auch staatstragende Filme durchaus kritisch rezensiert wurden. Die schlimmste Kritik war natürlich, wenn ein Film gar nicht beachtet wurde und am allerschlimmsten war es, wenn dies auch noch ausgerechnet im SED-Organ Neues Deutschland geschah.
Habels Buch gibt durch seine Vollständigkeit und dadurch das alle Filme eine nahezu gleichberechtigte Aufmerksamkeit erfahren, einen spannenden Überblick über die Filmszene in der DDR und lädt immer wieder zum Schmökern ein. Mittlerweile liegt eine erweiterte Neuausgabe in zwei gebundenen Bänden.
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