Archiv der Kategorie: HEIMKINO

Die heißesten DVDs und Blu-rays für das Heimkino

John Carpenter: Elvis

Nachdem er mit dem Horrorklassiker Halloween im Kino große Erfolge feierte, machte John Carpenter 1979 etwas völlig anderes. Zum einzigen Mal in seiner Karriere verließ er das Horror-Thriller-Science-Fiction-Genre und drehte ein Biopic bzw. einen aufwändig produzierten TV-Film über das Leben eines Prominenten, dessen letzten Jahre genau genommen auch oft an einen Horrorfilm erinnerten. Der kurz nach dem Tode von Elvis Presley entstandene Film kam bei uns sogar in gekürzter Form in die Kinos.

Dieser Ausflug in völlig andere Bereiche hatte nicht nur für John Carpenter Folgen. Die Titelrolle in Elvis spielte Kurt Russell, der bei den Gesangsnummern vom Country-Sänger Ronnie McDowell gedoubelt wurde. Für seine Darstellung des Kings erhielt Russell eine Emmy-Nominierung. Seine wild entfesselten Tanzbewegungen bei den Musiknummern – vor allem wenn bei Tutti Frutti auch eine noch bayrischen Trachtenkapelle auf der Bühne steht, dürften ZAZ, die Regisseure von Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, in ihrer Spionage-Parodie Top Secret! zu den irrwitzigen Gesangseinlagen von Val Kilmer inspiriert haben.

Bei John Carpenter spielte Kurt Russell anschließend noch in vier Kinofilmen die Hauptrolle, wobei ihn seine Auftritte als “Snake“ Plissken in Die Klapperschlange und Flucht aus L. A. zur Action-Ikone machten. 2022 gelang Baz Luhrmann mit seinem opulenten und ebenfalls überlangen Elvis-Film ein Welterfolg. Carpenters eher brav in Szene gesetztes Biopic kann da nicht wirklich mithalten, doch Luhrmanns Hauptdarsteller Austin Butler verblasst gegen Kurt Russell, dessen Gesichtszüge im Laufe des Films immer mehr mit dem ikonischen Antlitz von Elvis verschmelzen.    

Black Hill bringt hat Carpenters Elvis in zwei Versionen fürs Heimkino veröffentlicht. An der Einzel-DVD dürfte kaum jemand eine Freude haben, denn diese enthält den Film zwar deutsch synchronisiert aber nur in der gekürzten 105-minütigen Kinofassung in grottiger Bildqualität und dies auch noch im Vollbild-Format. Ganz anders die zweite DVD der Deluxe Edition. Diese bietet den Film in der fast eine Stunde (!) längeren TV-Version, leider nur in der Originalfassung, doch dafür mit gutem anamorphen 16:9-Bild!

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Der Schnorchel

Während Frankensteins Fluch 1957 in blutroter Farbenpracht den “Hammer Horror“ einläutete, drehte das britische Studio in einheimischen Studios und im italienischen Alassio einen kleinen aber durchaus feinen Thriller. Etwas seltsam mutete der deutsche Titel Der Schnorchel an, doch auch im Original heißt der Film mit The Snorkel ebenso.

Dabei verwundert, dass eine etwas übergroße mit gleich zwei Schnorcheln versehene Tauchbrille durchaus als mörderisches Accessoire verwendet werden kann. Eins dieser Teile trägt Paul Decker (Peter van Eyck) – nachdem er seine betäubte Frau Madge auf ein Sofa gelegt, alle Fenster und Türen seiner Villa abklebte und die Gaslaternen aufdrehte – um sich in einem Geheimversteck per Schnorchel mit Atemluft zu versorgen.

Der Plan gelingt, die Dame ist tot, die italienische Polizei hält den Mord für einen Unfall und das Kinopublikum wurde zum Komplizen. Zeitnah zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde vielleicht noch etwas darüber grübelte, ob die Tatsache, dass ein blonder deutschstämmiger Darsteller die durch Gas mordende Hauptfigur spielt, irgendwie im Zusammenhang mit dem Holocaust steht. Doch dann beginnt ein hochspannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Für Candy Brown (Mandy Miller), Madges dreizehnjährige Tochter aus erster Ehe, besteht kein Zweifel daran, dass ihr gefühlskalter Stiefvater ihre Mutter ermordet hat. Es ist wohl nicht wirklich ein Spoiler, wenn verraten wird, dass gegen Ende des Films Candy in der abgeklebten Villa auf dem Sofa liegt, während ihr Stiefvater erneut mit dem Schnorchel auf Tauchstation geht…

Doch das Drehbuch von Jimmy Sangster, der noch etliche Horrorklassiker schreiben sollte, wie kurz darauf Dracula mit Christopher Lee, hält noch ein paar echte Überraschungen bereits, die Regisseur Guy Green zu einem spannender, aber leider etwas in Vergessenheit geratenen, Thriller verarbeitete. Zum Glück erscheint der Film jetzt erstmals als Heimkino-Edition und das auch noch in vorbildlicher Aufmachung.

Das Bonusmaterial auf der Blu-ray von Anolis Entertainment ist sehr viel umfangreicher als auf dem Backcover oder der Seite des Anbieters angekündigt wird. So gibt es zwei deutschsprachige Audiokommentaren von Rolf Giesen, sowie von Uwe Sommerlad & Volker Kronz, eine deutschsprachige Rekonstruktion des Endes (9:51 min)

Cover A

“Four-Note-Fear“: Musikexperte David Huckvale sitzt am Klavier und informiert über den Komponisten Francis Chagrin (23:18 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), britischer Kinotrailer (1:54 min), deutsche Titelsequenz (3:55 min), Filmprogramme (1:03 min) und eine Bildergalerie (3:16 min)

Covere B

 Den Film erscheint auch in Form von zwei limitierten Mediabook-Editionen mit verschiedenen Covern und einem 28-seitigem von Rolf Giesen verfassten Booklet.

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Das unsichtbare Auge

Zwischen Assault – Anschlag bei Nacht und Halloween schrieb und drehte John Carpenter einen weiteren bemerkenswerten Film. Someone’s Watching Me! entstand in weniger als zehn Tagen fürs Fernsehen. Obwohl Carpenter nicht am Schnitt beteiligt war und nicht den Soundtrack komponierte, muss sich der Film keineswegs hinter seinen bekannteren Werken wie The Fog, Die Klapperschlange oder Christine verstecken.

Lose basierend auf tatsächlichen Ereignissen erzählt Carpenter von Leigh Michaels, die nach Los Angeles zieht, um einen neuen Job bei einem TV-Sender anzutreten. In einem Hochhaus findet sie ein schönes Apartment und beruflich läuft es sehr gut. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht diese immer bedrohlicher werdenden Anrufe eines Mannes wären, der erschreckend viel über Leights Leben weißt…

Bereits im Vorspann und auch danach mit einigen sehr offensichtlichen Hitchcock-Zitaten gewürzt, die gerade noch als Hommage durchgehen, gelang Carpenter ein Thriller, der eigentlich auf die große Leinwand gehört hätte. Lauren Holly in der Hauptrolle ist großartig und alles andere als eine Scream Queen, denn auch in Momenten der größten Bedrohung bewahrt sie sich ihre Selbstironie.

Die interessanteste Figur des Films ist jedoch Sophie, die Kollegin der Hauptfigur. Mit cooler Selbstverständlichkeit offenbart sie ihrer neuen Freundin, dass sie lesbisch ist. Ppositiv und taff dargestellte offen homosexuelle Charaktere waren 1978 im US-TV absolute Mangelware. Auch John Carpenter war beeindruckt von Adrienne Barbeau und heiratete diese kurz nach den Dreharbeiten.

Bei Plaion liegt ein optimal aufgemachtes Mediabook von „Das unsichtbare Auge“ vor. Der Film wird auf Blu-ray und DVD sowohl in 16:9 als auch in der Vollbildfassung präsentiert. Hinzu kommen sehr interessante Interviews mit John Carpenter (6:14 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), Adrienne Barbeau (10:32 min) und dem Carpenter-Stammdarsteller Charles Cyphers (9:43 min). Hinzu kommen eine Episode der sehr empfehlenswerten Serie „Horror’s Hallowed Grounds“, in der Sean Clark die Drehorte des Films besucht (7:12 min), TV-Spots (1:01 min), sowie ein zwanzigseitiges Booklet mit einem Text von Stefan Jung.

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Meteor

Vor mehr als zwanzig Jahre verhinderten Bruce Willis und Ben Affleck in Michael Bays Armageddon als Ölbohrexperten, dass ein Asteroid mit einem Durchmesser von 1.000 km die Erde zerstört. Weitere zwei Jahrzehnte zuvor war es ein auf die Erde zurasender acht Kilometer breiter Meteor, dessen Aufschlag von einen von Sean Connery verkörperten Wissenschaftler vereiteln wollte.

Meteor entstand 1979 als die durch Blockbuster wie Erdbeben, Airport oder Flammendes Inferno gestartete Welle der Katastrophen-Filme bereits etwas abflachte. Regie führte Ronald Neame, der sich sieben Jahre zuvor mit Die Höllenfahrt der Poseidon bereits erfolgreich dem Untergangs-Genre gewidmet hatte. Meteor hingegen konnte an den Kinokassen nur die Hälfte seines Budgets von 16 Millionen wieder einspielen.

Der Film hat sich jedoch insgesamt besser gehalten, als seine aus heutiger Sicht etwas antiquiert und schwerfällig wirkenden Vorgänger. Ähnlich wie später die Werke von Roland Emmerich ist auch Meteor, trotz des drohenden Weltuntergangs, erstaunlich leicht und locker in Szene gesetzt. Dies liegt auch an dem permanent ironisch grinsenden Sean Connery, der im Zusammenspiel mit dem von Karl Malden gespielten Nasa-Chef immer einen lockeren Spruch draufhat: “Steckt mir doch noch einen Besen in den Hintern, dann kann ich beim Rausgehen einen Teppich fegen.“

Genau wie die Filme von Emmerich, insbesondere The Day After Tomorrow ist auch Meteor kein völlig unpolitischer Eskapismus. Erzählt wird davon, wie die Supermächte USA und UdSSR ihre Atomwaffenbestände gebündelt einsetzen müssen, um die Katastrophe abzuwenden. Die Zusammenarbeit mit den von Natalie Wood und Brian Keith gespielten Russen verläuft dabei eher genossenschaftlich, während Martin Landau als US-Hardliner mächtig aufdreht.

In Erinnerung bleibt aber auch ein hübscher lyrischer Moment am Anfang des Films als Aufnahmen aus dem Weltraum so geschickt in eine Hochsee-Luftaufnahme überblendet werden, dass es kurze Zeit so wirkt, als wenn ein von Sean Connery gesteuerte Segelschiff durchs All gleiten würde.

Plaion präsentiert Meteor als Mediabook mit DVD und Blu-ray. Enthalten ist der Film zusätzlich als “alternativ restaurierte“ Version mit einer Länge von 107 Minuten, sowie eine knapp 50-minütige deutschsprachige Super-8-Fassung. Sehr viel interessanter sind die in Flagstaff, in der Nähe eines riesigen Meteoritenkraters, aufgenomenen Interviews mit Sean Connery (8:29 min), Natalie Wood (7:41 min) und Martin Landau (7:32 min). Hinzu kommen noch der deutsche Trailer (2:58 min), der US-Trailer (3:38 min) und eine Bildergalerie (26:01 min), sowie das 28-seitige Booklet mit interessanten Texten von Stefan Jung und Tobias Hohmann.       

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Wie man Dornröschen wachküsst

Während Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zum Kultfilm wurde, ist ein vier Jahre später vom selben Team gedrehter tschechischer Märchenfilm etwas in Vergessenheit geraten. Das ist ungerecht, denn Wie man Dornröschen wachküsst ist nicht minder liebenswert und hat seine ganz eigenen Qualitäten.

Auch dieser Film, der in der DDR Wie man Prinzessinnen weckt benannt wurde, nimmt sich beim Adaptieren eines bekannten Volksmärchens mindestens ebenso viele Freiheiten wie Walt Disney. Die böse Fee der Vorlage, die Dornröschen und ihr ganzes Königreich in Tiefschlaf versetzt, ist hier die eifersüchtige, ältere Schwester der Königin, die gerne über das Königreich der Rosen geherrscht hätte.

Wichtiger noch ist, dass Dornröschen nicht wie bei den Grimms oder zuvor bei Charles Perrault hundert Jahre in den Tiefschlaf versetzt wird, sondern ihren Prinzen bereits vor der Sache mit der Spindel kennenlernt und dieser keineswegs ein Tattergreis ist, als er sie rettet.

Gerade der erste Teil des Films, in dem das von Marie Horáková als selbstbewusste junge Frau verkörperte Dornröschen eigentlich den arroganten Prinz Georg aus dem Reich der Mitternacht heiraten soll, sich aber in dessen sehr viel liebenswerteren Bruder Jaroslav (Jan Hrušínský) verliebt, überzeugt immer noch als romantische Komödie.

Dies liegt auch an dem in nahezu allen tschechischen Klassikern auftretenden Vladimír Menšík, der den stets hungrigen Knappen Mathias spielt. Dieser muss gelegentlich in ein Bärenfell schlüpfen, um sich vom ebenso angeberischen wie psychisch instabilen Prinzen Georg im Zweikampf besiegen zu lassen.

Genau wie in Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gelang dem Regisseur Václav Vorlícek (Die Märchenbraut) auch hier die wunderschöne Realverfilmung eines beliebten Märchens. In Szene gesetzt inmitten beeindruckender mittelalterlicher Bauten entstand 1977 ein Familienfilm-Klassiker, der auch heute noch bestens unterhält. Der großartige Soundtrack stammt wieder von Karel Svoboda (Biene Maja, Wickie) und Karel Gott sang die eingängige Titelmelodie Ji za štěstím sa nicht nur auf Tschechisch, sondern nahm den Titel 2014 unter dem Titel Schau nach vorn auch als deutschen Schlager auf.  

Der Film liegt endlich sorgfältig restauriert auf Blu-ray vor. Allerdings hat sich Filmjuwelen beim Bonusmaterial sehr viel weniger Mühe als bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gegeben. Neben dem deutschen Trailer (2:12 min) und dem DEFA-Vorspann (2:08 min) ist zwar auch der Puppentrickfilm „Dornröschen war ein schönes Kind ...“ (5:05 min, Regie: Katja Georgi, 1987) enthalten.

In Sachen Booklet sieht es jedoch mau aus. Die Veröffentlichungen von Filmjuwelen überzeugten bisher durch ihre edle Ausstattung mit Schuber und reich bebilderten Büchlein. Letzteres wurde zwar auch diesmal versiert von Rolf Giesen zusammengestellt und in gewohnter Form layoutet, ist jedoch nur digital erhältlich.

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Vertraue keinem Fremden

Kurz nachdem Hammer mit den ersten farbenfrohen und blutigen Versionen der Horror-Klassiker Frankenstein mit Peter Cushing und Dracula mit Christopher Lee große Erfolge feierte, drehte das britische Studio einen “Film mit Botschaft“, der auch heute noch stärker schockiert als die Kinoauftritte von Mumien, Monstern oder Mutanten.

Vertraue keinem Fremden erzählt von der Familie des Lehrers Peter Carter (Patrick Allen), der in einem kanadischen Städtchen eine Anstellung gefunden hat. Doch die Freude über den neuen Arbeitsplatz hält nicht lange an. Als Peter und seine Frau Sally (Gwen Watford) erfahren, dass ein alter Mann ihre Tochter Jean (Janina Faye) und ein weiteres kleines Mädchen durch in Aussicht gestellte Süßigkeiten dazu brachte, nackt für ihn zu tanzen.

Als Peter daraufhin Anzeige erstattet, muss er erfahren, dass es sich bei dem Lustmolch um Clarence Olderberry Sr (Felix Aylmer) handelt, dessen Familie ein Sägewerk betreibt und dadurch der Ortschaft Wohlstand beschert hat. Obwohl die Veranlagung des Mannes allgemein bekannt ist, scheitern die Carters vor Gericht. Da die Familie nicht will, dass ihre Tochter in unmittelbarer Nähe eines frei herumlaufenden Triebtäters aufwächst, packen die Carters ihre Koffer. Doch da ist es schon zu spät…

Mediabook Cover A

Als Vorlage zu Vertraue keinem Fremden diente das auf eigenen Erfahrungen basierende Theaterstücks The Pony Cart des US-Autors Roger Garis. Auch die Verfilmung steht eindeutig auf der Seite der Opfer. Regisseur Cyril Frankel (The Witches) vermeidet es aber trotzdem, aus dem Täter ein Monster zu machen. Felix Aylmer spricht als Olderberry Sr kein einziges Wort und sein Mimenspiel vermittelt ebenso glaubhaft wie bedrohlich, dass der alte Mann seine inneren Dämonen nicht im Griff hat.

Den Film wollte 1960 kaum jemand sehen. Freunde des ansonsten von Hammer bedienten Sensationskinos bekamen nicht das was sie erwarteten und die reißerische Werbung verschreckte das Arthouse- Publikum. Hammer war nach diesem Misserfolg nur noch in Genres wie Horror oder Thriller tätig.  

Mediabook Cover B

Das ist sehr schade, denn Vertraue keinem Fremden geht genauso behutsam mit seinem brisanten Thema Kindesmissbrauch um, wie zuvor die in ebenso sorgsam komponierten schwarzweißen Bildern erzählten Klassiker M – Eine Stadt sucht einen Mörder und Es geschah am helllichten Tag.

Zum Glück erscheint der Film jetzt endlich erstmals als Heimkino-Edition und das auch noch in vorbildlicher Aufmachung. Das Bonusmaterial auf der Blu-ray von Anolis Entertainment ist sehr viel umfangreicher als auf dem Backcover oder der Seite des Anbieters angekündigt wird. So gibt es zwei deutschsprachige Audiokommentaren von Rolf Giesen, sowie von Uwe Sommerlad & Volker Kronz, ein Essay von Matthew Holness zum Film (11:51 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), einen Bericht von Laura Mayne über die Darstellerin Gwen Watson (7:59 min) und die Darstellerin Janin Faye erinnert sich an die Dreharbeiten (14:23 min).

Enthalten ist auch die “Vintage-Fassung“ der von der DEFA synchronisierten und in der DDR unter dem Titel „Nimm nichts Süsses von Fremden“ gezeigten 80-minütigen Films. Hinzu kommen noch der DDR-Kinotrailer des “amerikanischen Films“, der US- Kinotrailer (2:28 min), „Trailers From Hell“ mit dem britischen Filmemacher Brian Trenchard-Smith (3:21 min), sowie eine Bildergalerie, der deutscher Werberatschlag, ein Presseheft, sowie die Filmprogramme aus BRD und DDR.

Mediabook Cover C

Den Film erscheint auch in Form von drei limitierten Mediabook-Editionen mit verschiedenen Covern und einem 28-seitigem von Rolf Giesen geschriebenen Booklet.

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Octaman – Die Bestie aus der Tiefe

Der Titel des Films mag etwas seltsam klingen. Doch mit Ray Harryhausens ersten Sindbad Kerwin Mathews, der für mit dem Golden Globe prämierten Italienerin Pier Angeli und dem aus Metaluna IV antwortet nicht, aber auch dem Monster-Kasperle-Theater The Giant Claw bekannten Jeff Morrow war eine durchaus achtebare Besetzung an Bord.

Cover A

Auch die Kreativkräfte hinter der Kamera versprachen ein anregendes Filmerlebnis. Der recht ambitioniert vom Fantasy-Illustrator George Barr zu Papier gebrachte Titelheld wurde vom seinerzeit noch nicht mit sieben Oscars prämierten American-Werewolf-Maskenbildner Rick Baker auf das für den gesamten Film zur Verfügung stehende Budget von lediglich 250.000 Dollar heruntergerechnet.

Regisseur Harry Essex hingegen konnte auf eine durchaus beachtliche Karriere zurückblicken. Er was Co-Drehbuchautor der von Jack Arnold inszenierten Klassiker Gefahr aus dem Weltall und Der Schrecken vom Amazonas, wobei ihm vor allem letzterer zu Octaman inspirierte. Auch in diesem Film kam die Bestie aus der Tiefe und eine Gruppe von Forschern muss in einer Höhle gegen das Ungetüm antreten.

1971 war der trotz seiner Laufzeit von nur 75 Minuten teilweise ganz schön langatmige Film kein großer Erfolg. Doch dank des eher niedlich als grausig wirkenden Tentakelmonsters, dessen ziemich albernes Gummikostüm häufig am helllichten Tag in voller Pracht zu “bestaunen“ ist, wurde der Octaman im Laufe der Jahrzehnte zum Liebling aller Trash-Freunde.  

Daher ist es sehr erfreulich, dass der Film dank‎ cmv-Laservision endlich auch ansprechend fürs Heimkino veröffentlicht wird. Mit zwei unterschiedlichen Covern erscheint ein jeweils auf 399 Exemplare limitiertes Mediabook mit DVD und Blu-ray.

Cover B

Auch das Bonusmaterial kann voll überzeugen. Rick Baker erzählt in einem 25-minütigen Filmchen allerlei lustige Anekdoten über die Dreharbeiten und im zwanzigseitigen Booklet prässentiert Christoph N. Kellerbach sehr viel mehr Fakten über Aufzucht und Hege des Octamans als Wikipedia.

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No Way Up

Im Kielwasser von Der weiße Hai sind nicht wenige Filme über aggressive Kiementiere mit spitzer Finne erschienen. Diese tragen auch bei uns englischsprachige Titel wie Open Water, The Shallows, Shark Night, Bait oder 47 Meters Down, Deep Blur Sea, Something in the Water oder Meg und die Hyper-Verarsche des Genres ist die auf bisher sechs Filme angewachsene Sharknado-Reihe.

 Im Zentrum von vielen dieser Filme stehen junge, meist weibliche (nun ja) Charaktere, die ständig Badeklamotten tragen und als potentielles Haifischfutter posen. Gegenübern den meisten dieser Werke wirkt No Way Up wie ein halbwegs anspruchsvoll in Szene gesetztes Update von Siebziger-Katastrophen-Krachern wie Airport 1977 – Verschollen im Bermuda-Dreieck. Mit Phyllis Logan (Mrs Hughes aus Downton Abbey) und Colm Meaney (Chief O’Brien aus Star Trek: Deep Space Nine) konnten sogar zwei (TV-)Stars verpflichtet werden.

Colm Meaney, der als Ersatz für Kelsey Grammer einsprang, hat den besten, aber auch (Vorsicht Spoiler) kürzesten Part in No Way Up. Er spielt den militärisch erfahrenen Leibwächter Brandon, der Ava (Sophie McIntosh), die Tochter eines prominenten Politikers, auf eigenen Wunsch und zum Entsetzen ihre Freundes Jed (Jeremias Amoore) in den Urlaub begleitet. Doch die Maschine stürzt über den Pazifik ab und kommt unter Wasser am Rande einer Schlucht zum fragilen Stillstand. Dies bleibt nicht unentdeckt von einigen jener aggressiven Kiementiere mit spitzer Finne…

Wie sich die kleine Gruppe höchst unterschiedlich temperierter Überlebender im versunkenen Flugzeug in einer instabilen Luftblase zunächst zofft und dann formiert, wird vom Schweizer Regisseur Claudio Fäh durchaus spannend in Szene gesetzt. Für den sich eher als Thriller und weniger als Splatter-Orgie verstehenden Film spricht, neben den guten Darstellerinnen und Schauspielern, auch die moderate Länge von 90 Minuten. No Way Up ist vielleicht kein absolutes HAI-light, doch immerhin ein verdammt spannender Film.

Die Blu-ray von LEONINE enthält dieses Bonusmaterial: Interviews mit Regisseur Claudio Fäh (15:32 min, wie alle Extras ohne deutsche Untertitel), Kameramann Andrew Rodger (7:20 min), Drehbuchautor Andy Maison (6:15 min), sowie den Darstellern Sophie McIntosh (4:13 min), Phyllis Logan (5:43 min) und Colm Meaney (3:19 min), B-Roll (7:50 min) und der deutsche Trailer (2:34 min)

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True Lies

Eine Ehefrau hält ihren Mann für den größten Langweiler der Welt, doch in Wirklichkeit arbeitet dieser mit vollem Einsatz für den Geheimdienst. Um etwas Schwung in ihren tristen Alltag zu bringen, beginnt die Frau eine Affäre mit einem Gebrauchtwagenhändler, der behauptet Geheimagent zu sein. Durch eine Verkettung unglückseliger (aber auch sehr amüsanter) Umstände befindet sich die Dame plötzlich mitten in der gefährlichsten Mission ihres Mannes…

Diese Geschichte erzählte Claude Zidi 1991 in der französischen Komödie La Totale!, die bei uns nur im TV als Der Joker und der Jackpot zu sehen war. Arnold Schwarzenegger war begeistert von dem turbulenten Film mit Thierry Lhermitte und Miou-Miou. Er überzeugte seinen Kumpel James Cameron davon, ein aufwändiges Remake mit ihm in der Hauptrolle zu drehen.

Cameron wiederum überzeugte Schwarzenegger davon, dass Jamie Lee Curtis die Idealbesetzung für die gelangweilte, aber auch sehr schlagkräftige Ehefrau ist. Das Resultat war 1994 der Blockbuster True Lies.

Meistens sind Actionkomödien weder Fisch noch Fleisch und es mangelt entweder an guten Gags oder spektakulären Stunts (und oft noch an sehr viel mehr). Doch James Camerons Film hat nichts von seiner Frische verloren. Der Film ist an Sprengkraft und Tempo jedem neueren James-Bond–Film deutlich überlegen.

Außerdem stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Arnold Schwarzenegger war nie besser. Er nahm eigens Tanzunterricht und legt zwei tolle Tangos aufs Parket. Jamie Lee Curtis ist nicht minder großartig. Ihre Verwandlung von einer biederen berufstätigen Mutter zur atemberaubend attraktiven Spionin ist das Highlight von True Lies.

Eine neue Edition von Walt Disney/LEONINE enthält den Film erstmals auf Blu-ray, ist allerdings bisher nur als Kombi-Box mit Blu-ray UND einer 4K-UHD-Scheibe erhältlich. Auch das Bonusmaterial kann sich sehen lassen. Geboten wird die neu produzierte Doku “ Angst zählt für mich nicht: Ein Rückblick auf True Lies“ (43:27 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln). Hinzu kommt der US-Trailer (2:17 min), sowie ein Archiv mit Bildern, Videos, dem Drehbuch, Storyboards und vieles mehr.

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Tomorrowverse

Innerhalb der Reihe DC Universe Animated Original Movies werden oft sehr werkgetreu Comicklassiker wie Batman: The Dark Knight Returns, All-Star Superman, Batman: Year One oder Gotham by Gaslight in bewegte Bilder umgesetzt.

Auf mehrere Filme verteilt gibt es aber auch längere zusammenhängende Erzählungen. Dies war bereits bei dem nach fünfzehn Filmen mit dem großen Finale Justice League Dark: Apokolips War beendeten DC Animated Movie Universe der Fall. Aktuell arbeitet seit 2020 ein Team des Produzenten und Autoren Jim Krieg an einem Tomorrowverse. Durch teilweise sehr originelle Filme mit durchgehenden Spannungsbögen entwickelt sich ein etwas anderes aber auch sehr traditionsbewusstes DC-Universum, das für manche Überraschung sorgt.

TOMORROWVERSE 1. Superman: Man of Tomorrow (2020)

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Superman: Man of Tomorrow

Der sich gerade erst als Superman bewährende junge Clark Kent bekommt es mit Lex Luthor, einem gewaltigen Parasiten und auch noch mit Lobo zu tun. Unterstützung findet er beim Martian Manhunter, der sich – genau wie der Kryptonier – oft sehr einsam auf der Erde fühlt.

TOMORROWVERSE 2. Justice Society: World War II (2021)

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Wonder Woman erhält direkt von Präsident Roosevelt den Auftrag ein Team zusammenzustellen, um zu verhindern, dass die Nazis – an historische Kultobjekte herankommen, die sie als Waffen verwenden können. Neben Black Canary, Hawkman und Hourman gehört auch Jay Garrick, der Flash der 40er-Jahre zur Truppe. Doch plötzlich taucht mit Barry Allen, ein zweiter “schnellster Mann“ der Welt auf. Als Bonus gibt es einen 18-minütigen Animationsfilm aus der Reihe DC Showcase mit der von Marvel-Legende Jack Kirby geschaffenen Figur Kamandi: The Last Boy on Earth!

TOMORROWVERSE 3. Batman: The Long Halloween (2021)

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Batman: The Long Halloween

Der Comic-Meilenstein von Jeph Loeb und Tim Sale wurde als zweiteiliges Epos adaptiert. Erzählt wird von der Jagd nach einem an Feiertagen mordenden Serial-Killer und davon wie der Rächer Batman zum Detektiv wurde.  Als Bonus gibt es noch kurze Animationsfilme aus der Reihe DC Showcase mit The Losers und Blue Beetle.

TOMORROWVERSE 4. Green Lantern: Beware my Power (2022)

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Der Afroamerikaner John Stewart erlebt als neue Green Lantern zusammen mit Green Arrow und Hawkgirl galaktische Abenteuer.

TOMORROWVERSE 5. Legion of Super-Heroes (2023, wurde bisher nicht bei uns veröffentlicht)

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Supergirl fühlt sich auf ihrer neuen Heimat, der Erde, unwohl fühlt. Daher reist ihr Cousin Superman mit ihr ins 31. Jahrhundert. Hier wird sie dazu ausgebildet, Mitglied der Legion of Super-Heroes zu werden. Sie schnell neue Freunde, doch einer ihrer Mitschüler ist Brainiac 5, der Nachfahre eines der erbittertsten Gegner von Superman. Steckt dieser dahinter, als eine mysteriöse Gruppe versucht, eine mächtige Waffe zu rauben?

TOMORROWVERSE 6. Justice League Warworld (2023 , wurde bisher nicht bei uns veröffentlicht)

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Wonder Woman, Batman und Superman kämpfen sich durch verschiedene Genres – von Western über Fantasy bis hin zu Science-Fiction im klassischen schwarzweißen Look.

TOMORROWVERSE 6. Justice League: Crisis on Infinite Earths – Part One (2024 , wurde bisher nicht bei uns veröffentlicht)

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Dieser Auftakt zu einem ambitionierter dreiteiligen Animationsfilm, basiert eher lose auf dem DC-Comicklassiker von Marv Wolfman und George Pérez basiert. In den beiden Fortsetzungen werden auch Charaktere aus den klassischen Animationsserien Batman: The Animated Series und Batman Beyond eine wichtige Rolle spielen.