Amazing Améziane: Martin Scorsese

Mit diesem Buch erscheint bei Splitter Amazing Amézianes dritte Comic-Biografie über einen Hollywood-Regisseur. Auch diesmal ist die Rückseite des Comics wie das Backcover einer Videocassette gestaltet. Neben Sprache (Deutsch) und Format (20 x 28 cm Doppelseiten) sind hier auch Angaben zur Lesedauer zu finden.

Während für die Lektüre von Amazing Amézianes Comic zum noch immer über seinen zehnten Kinofilm nachdenkenden Quentin Tarantino 110 Minuten benötigt werden, sind es bei dessen Biografie zum fleißigen Steven Spielberg immerhin 140 Minuten. Amézianes Comic über Martin Scorsese ist mit 190 Minuten bzw. 384 Seiten noch länger bzw. umfangreicher ausgefallen.

Nach einem während der Dreharbeiten zu Departed spielenden Prolog, holt Améziane sehr weit aus, da viele Scorsese-Filme autobiografische Einlagen enthalten. beginnt der Comic mit dessen Großeltern, um dadurch Scorseses italienischen Wurzeln und die Begeisterung für die neorealistischen Filme von Roberto Rosselini oder Luchino Visconti zu erklären.

Ein großes Thema ist die Kindheit, die der kränkliche Scorsese zu einem Großteil zusammen mit seinem schweigsamen Vater im Kino verbrachte. Dies schlug sich nieder in mit Buntstiften produzierten Comic-Drehbüchern zu Sandalenfilmen und im Sohn armer italienischer mitten in New York lebender Einwanderer reifte der sehr unrealistische Wunsch Regisseur zu werden.

Doch Martin Scorseses war sehr viel hartnäckiger als er auf den ersten Blick wirkte. Im Laufe der Jahrzehnte realisierte er alle seine Wunschprojekte, auch wenn er sich nach Racing Bull oder Die letzte Versuchung Christi geschworen hatte, keine weiteren Filme zu drehen.

Im Comic ist zu erfahren, dass Scorseses immer wieder darüber nachdenkt, einen Film über das Rat Pack zu drehen und ständig wechselnde Darsteller für die Rollen von Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. in Erwägung zieht. Höchstwahrscheinlich wird er auch dieses Wunschprojekt eines Tages drehen.

Genau wie in Amézianes Biografie zu Spielberg ist auch in diesem Buch eine Zeichnung enthalten, auf der Scorsese zusammen mit George Lucas, Francis Ford Coppola, Brian De Palma und natürlich Steven Spielberg zu sehen ist. Der Comickünstler drückt dadurch seine Verwunderung und Freude darüber aus, dass diese fünf Kinogötter befreundet waren und sich gegenseitig geholfen haben.

Als Kontrast zeigt Améziane ein ähnliches Bild mit Alfred Hitchcock, Howard Hawks, John Ford, Fritz Lang und Orson Welles, die sich zwar gelegentlich über den Weg gelaufen sind, ihre künstlerischen Visionen jedoch im Alleingang verwirklicht haben und daher keine Change hatten um sich gemeinsam gegen die Studiobosse zu behaupten.

Auch bei diesem faktenreich und opulent in Szene gesetzten Buch von Amazing Améziane ist Vorsicht geboten, denn auf der letzten Seite ist zu erfahren, dass “um der Dramatisierung willen (…) einige Aussagen und manchmal die Art, wie Personen sich verhalten, erfunden“ wurden. Améziane hat also gelegentlich als Regisseur und Drehbuchautor eingegriffen.

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